ABA ist eine Therapieform, die Kindern mit der Diagnose Autismus hilft. Das Behandlungsprogramm wurde vom Psychologen Dr.Ivar Lovaas in den sechziger Jahren entwickelt und im Verlauf der Jahre den neuesten Erkenntnissen angepasst. Es basiert auf umfangreichen klinischen Studien und auf über dreissigjähriger wissenschaftlicher und therapeutischer Erfahrung. Ziel ist, das Kind in seinen intellektuellen, sozialen und emotionalen Verhaltensweisen so zu fördern, dass es ”lernt zu lernen”. So kann es besser vom schulischen und sozialen Angebot seines Umfeldes profitieren und ist mit zunehmendem Alter weniger auf professionelle Hilfe angewiesen.
Die therapeutische Arbeit findet anfangs zuhause statt. Während 30 bis 40 Wochenstunden arbeiten ausgebildete Therapeutinnen und Therapeuten mit dem Kind in der Situation 1:1. Im Verlauf der Therapie werden die erworbenen Fertigkeiten auf das weitere soziale Umfeld des Kindes ausgeweitet.
Die Grundidee der Therapie besteht darin, dem Kind möglichst viele Lernmöglichkeiten anzubieten. Da Kinder mit Autismus nicht von ihrer Umwelt lernen, wird eine Therapiesituation geschaffen, in der das Kind möglichst viel von seiner Wachzeit zum Lernen nutzen kann, ähnlich wie andere Kinder, die ihre gesamte Wachzeit zum Lernen nutzen.
Unterrichtsmethode
Es werden die Techniken der ”Verhaltensmodifikation” angewandt. Durch extensives Belohnen von angemessenem Verhalten mit Esswaren, verbalem Lob, Kitzeln, Spiele etc. wird das Kind ermutigt, die neu erlernten Verhaltens- weisen zu zeigen. Ein wesentlicher Aspekt ist das Aufgliedern von Lerninhalten in kleinste Einheiten. Jede Einheit wird einzeln unterrichtet. So sind die Aufga- ben nicht zu komplex und das Kind kann sie leichter bewältigen. Es hat dadurch mehr Lernerfolge und mehr Freude am Lernen.
Lerninhalte
Der Unterricht deckt die folgenden Bereiche ab: Sprache, Verhalten (inkl.Trotz- und Wutanfälle), Sozialverhalten, Spiel, intellektuelles Wissen, Selbständigkeit (Sauberkeit, Körperpflege etc.). Der Hauptakzent der Therapie liegt im Bereich der Sprache und der Kommunikation. Die Fähigkeiten, die notwendig sind zum Erlernen der Sprache werden am Anfang unterrichtet. Sie umfassen die Bereiche Aufmerksamkeit, Imitation, Zuverlässigkeit und Kooperation mit den Erwachse- nen. Danach beginnt das eigentliche Erlernen der Sprache, wobei in kleinsten Schritten vorgegangen wird, die das Kind meistern kann. So bleibt ein positives Lernklima erhalten.
Zeitliche Organisation
An 5-7 Tagen der Woche wird während 4-6 Stunden pro Tag gearbeitet. Ueb- licherweise dauert eine Lerneinheit 2-3 Stunden, in die häufige Spielphasen eingebaut sind. An einem bestimmten Lerninhalt wird während ca 2-5 Minuten gearbeitet, danach folgt eine kurze Pause von 1-2 Minuten. Der Zeitrythmus kann individuell an die Bedürfnisse des Kindes angepasst werden.
Therapieerfolg
Je früher man mit der Therapie beginnt, desto besser. Ideal ist ein Beginn vor dem Alter von 3 bis 5 Jahren. In der Studie vom Lovaas hat ein Teil der Kinder, dank frühem Therapiebeginn, im Alter von 7 Jahren intellektuell sowie im Bereich des Sozialverhaltens den alterstypischen Stand erreicht. Diese Kinder konnten ohne zusätzliche Hilfe die Regelschulen besuchen. Aber auch die anderen Kinder haben grosse Fortschritte in allen Entwicklungsbereichen gemacht.
Gemäss neueren Studien profitieren auch ältere Kinder in grossem Masse von dieser Therapie. Es ist derzeit nicht möglich, den Verlauf und den Erfolg der Therapie bei einem bestimmten Kind vorherzusagen. Es hat sich aber gezeigt, dass das Lerntempo in den ersten Therapiemonaten ein Indiz für die weiteren Fortschritte ist. Wenn das Kind am Anfang der Therapie gut anspricht, wird es auch im weiteren Therapieverlauf gute Fortschritte machen.
(c) Gaby Früh