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ABA

ABA

 

Deutsche Terminologie:

BA: Verhaltensanalyse

ABA: angewandte Verhaltensanalyse

EIBI: frühe intensive verhaltenstherapeutische Intervention (FIVTI)

 

Allgemein

Die Verhaltensanalyse ist ein wissenschaftlicher Ansatz zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Verhalten und Umwelt. 

Die Angewandte Verhaltensanalyse ist die wissenschaftliche Disziplin, die die Erkenntnisse der Verhaltensanalyse anwendet. Sie beschäftigt sich mit der Analyse des Verhaltens und wendet sie auf gesellschaftlich relevante Fragen an.  Es werden Veränderungen in der Umwelt geplant, durchgeführt und überprüft, um dem Menschen sozial bedeutungsvolle Fertigkeiten oder sozial adäquatere Verhaltensweisen beizubringen. 

ABA ist nicht eine Therapiemethode an sich und nicht ausschliesslich für Menschen mit einer ASS. Die Anwendungsgebiete von ABA sind sehr breit. Beispiele sind: Klinischer/therapeutischer Bereich (Autismus-Spektrums-Störungen, geistige Behinderung, AD(H)D, Ess-Störungen, Schizophrenie, Hirnverletzungen etc.), Pädagogik (effektives Lehren/Unterrichten in der Regelpädagogik, Sonderpädagogik, Erziehungsberatung etc.), Verhaltensmedizin (Rauchentwöhnung, körperliche Aktivität etc.), Organisationsmanagement (Produktivitätsrate verbessern, Leistung Mitarbeiter erhöhen, Sicherheit am Arbeitsplatz etc.), Umweltschutz, Verkehrssicherheit, Sport etc. ABA nutzt also die Prinzipien, wie Individuen lernen und hat zum Ziel, Lernen effektiver zu machen. Es ist kein fixes Curriculum, es gibt nicht vor, WAS gelehrt wird, sondern bietet Werkzeuge/Strategien, WIE (irgend)etwas gelehrt/gelernt werden und wie dessen Erfolg objektiv gemessen werden kann – individuell für jeden Klienten. Am häufigsten angewendet wird ABA heutzutage jedoch tatsächlich im therapeutischen  und sonderpädagogischen Bereich bei Entwicklungsstörungen. 

Therapien/Interventionen basierend auf der angewandten Verhaltensanalyse sind die am besten evaluierten Interventionen bei autistischen Störungen. 

Ein mögliches Therapieangebot ist EIBI, deren international anerkannte Kriterien (nach Green, Brennen und Fein, 2002) sind:

• Individualisierte und umfassende Intervention

• Einsatz diverser verhaltensanalytischer Prozeduren, um neue Verhaltensrepertoires aufzubauen und beeinträchtigende Verhaltensweisen abzubauen (z.B. differentielle Verstärkung, Prompting, Discrete Trial Teaching, inzidentelles Unterrichten, in Aktivitäten eingebettete Trials, Aufgabenanalyse u.a.)

• Anleitung durch eine oder mehrere Personen mit fortgeschrittenem Training in ABA und Erfahrung mit Kindern auf dem  Autismus-Spektrum 

• Lang- und Kurzzeit-Ziele orientieren sich an der neurotypischen kindlichen Entwicklung

• Die Eltern werden in die Therapie miteinbezogen. 

• Anfänglich 1:1-Setting, später wenn sinnvoll schrittweise Übergang in grösseren Gruppen 

• Beginn Zuhause und später Transfer in andere Umgebungen (z.B. Kindergarten/Schule, Freizeitaktivitäten)

• Programm ist intensiv, 20-30 Stunden pro Woche strukturiertes Lernen plus informelles Lernen während der meisten Wachzeit des Kindes

• Dauer: Meistens 2 Jahre oder länger

• Start: Meistens zwischen 3 und 4 Jahren

Basierend auf Ergebnissen mehrerer Meta-Analysen und unabhängigen Reviews zur Wirksamkeit von EIBI, gilt ABA und EIBI als wirksam und sollte die Intervention der Wahl sein für Kinder auf dem AS.

Beispiele von weiteren therapeutischen Angeboten basierend auf ABA bei Menschen auf dem AS können sein: 

• Interventionen mit älteren Kindern oder Erwachsenen 

• Interventionen bei eingegrenzten Fragestellungen: z.B. Kommunikationstraining, Esstraining, Toilettentraining, Schlaftraining, Sozialtraining, Umgang mit unerwünschten Verhaltensweisen (z.B. Selbstverletzung)

• effektiveres Unterrichten in Kindergarten/Schule (z.B. Direct Instruction)

Die internationale Gesellschaft für Verhaltensanalyse (Association for Behavior Analysis international, ABAI) empfiehlt, dass ABA-Angebote von Verhaltensanalytikern durchgeführt bzw. supervidiert werden. Ausgebildete Verhaltensanalytiker werden als „Board Certified Behavior Analysts“ oder „BCBA“s bezeichnet. Diese Ausbildung in ABA umfasst ein intensives universitäres Studium in Verhaltensanalyse, die praktische Anwendung unter der Supervision eines BCBAs und eine abschließende (theoretische) Prüfung.

 

Hintergrund und Ziele

EIBI ist eine Therapieform, die Kindern mit der Diagnose Autismus hilft. EIBI wurde vom Psychologen Dr.Ivar Lovaas in den sechziger Jahren entwickelt und im Verlauf der Jahre den neuesten Erkenntnissen angepasst. Heute basiert EIBI auf hunderten peer-reviewed Studien und auf über fünfzigjähriger wissenschaftlicher und therapeutischer Erfahrung. 

Ziel ist, das Kind in seinen intellektuellen, sozialen und emotionalen Verhaltensweisen so zu fördern, dass es ”lernt zu lernen”. So kann es besser vom schulischen und sozialen Angebot seines Umfeldes profitieren und ist mit zunehmendem Alter weniger auf professionelle Hilfe angewiesen.

Die Grundidee der Therapie besteht darin, dem Kind möglichst viele Lernmöglichkeiten anzubieten. Da Kinder mit Autismus weniger von ihrer Umwelt lernen, wird eine Therapiesituation geschaffen, in der das Kind möglichst viel von seiner Wachzeit zum Lernen nutzen kann, ähnlich wie neurotypische Kinder, die ihre gesamte Wachzeit zum Lernen nutzen.

 

Unterrichtsmethode

Lehrprozeduren basieren auf den Grundprinzipien von Verhalten, wobei die wichtigste Technik die Belohnung des Kindes für erwünschtes Verhalten ist. Durch extensives Belohnen von angemessenem Verhalten mit Esswaren, verbalem Lob, Kitzeln, Spiele etc. wird das Kind ermutigt, die neu erlernten Verhaltensweisen zu zeigen. Eine Vielzahl von Lehrprozeduren werden heute angewendet und werden durch wissenschaftliche Studien ständig weiterentwickelt. So zum Beispiel differentielle Verstärkung, prompting und fading, shaping, chaining, behavioral momentum, preference assessments, discrete trial teaching, inzidentelles Unterrichten (bzw. natural environment teaching NET), Aktivitätenplänen, Live- und Videomodeling, Social Stories und Spielverabredungen mit Gleichaltrigen etc.

Dabei ist ein wesentlicher Aspekt das Aufgliedern der Lerninhalte in an jedes Kind angepasste kleinste Einheiten. So sind die Aufgaben nicht zu komplex und das Kind kann sie leichter bewältigen. Es hat dadurch mehr Lernerfolge und mehr Freude am Lernen.

 

Lerninhalte 

EIBI ist eine umfassende Intervention, d.h. alle Entwicklungsbereiche werden abgedeckt, wobei jedoch Prioritäten gesetzt werden müssen. Der Unterricht deckt üblicherweise die folgenden Bereiche ab: Sprache, Verhalten (inkl. Trotz- und Wutanfälle), Sozialverhalten, Spiel, intellektuelles Wissen, Selbständigkeit (Sauberkeit, Körperpflege etc.). 

Oft liegt der Hauptakzent der Therapie im Bereich der Sprache und der Kommunikation. Die Fähigkeiten, die notwendig sind zum Erlernen der Sprache werden am Anfang unterrichtet. Sie umfassen die Bereiche Aufmerksamkeit, Imitation, Zuverlässigkeit und Kooperation mit den Erwachsenen. Danach beginnt das eigentliche Erlernen der Sprache, wobei in kleinsten Schritten vorgegangen wird, die das Kind meistern kann. So bleibt ein positives Lernklima erhalten.

 

Organisation

An 5-7 Tagen der Woche wird während 6-8 Stunden pro Tag strukturiert gearbeitet. Die verhaltensanalytischen Techniken sollen jedoch die restliche Wachzeit des Kindes (durch die Eltern) weiter angewendet werden, damit gelernte Fertigkeiten aufrechterhalten und generalisiert werden und mit unerwünschten Verhaltensweisen konsistent und konsequent umgegangen wird.  Strukturierte Sitzungen dauern üblicherweise 2-4 Stunden, in die häufige Spielphasen und Pausen eingebaut sind. Der Zeitrhythmus wird individuell an die Bedürfnisse des Kindes angepasst werden.

Die therapeutische Arbeit findet anfangs Zuhause statt. Während 30 bis 40 Wochenstunden arbeiten ausgebildete Therapeutinnen und Therapeuten mit dem Kind in der Situation 1:1. Im Verlauf der Therapie werden die erworbenen Fertigkeiten auf das weitere soziale Umfeld des Kindes ausgeweitet. 

 

Je früher man mit der Therapie beginnt, desto besser. Ideal ist ein Beginn vor dem Alter von 3 bis 5 Jahren. In der Studie vom Lovaas hat ein Teil der Kinder, dank frühem Therapiebeginn, im Alter von 7 Jahren intellektuell sowie im Bereich des Sozialverhaltens den alterstypischen Stand erreicht. Diese Kinder konnten ohne zusätzliche Hilfe die Regelschulen besuchen. Aber auch die anderen Kinder haben grosse Fortschritte in allen Entwicklungsbereichen gemacht.

 

Gemäss neueren Studien profitieren auch ältere Kinder in grossem Masse von dieser Therapie. Es ist derzeit nicht möglich, den Verlauf und den Erfolg der Therapie bei einem bestimmten Kind vorherzusagen. Es hat sich aber gezeigt, dass das Lerntempo in den ersten Therapiemonaten ein Indiz für die weiteren Fortschritte ist. Wenn das Kind am Anfang der Therapie gut anspricht, wird es auch im weiteren Therapieverlauf gute Fortschritte machen.

 

 

Literatur


• Association for Behavior Analysis international, (ABAI) h

www.abainternational.org

• American Academy of Pediatrics (2001). Policy Statement: The Pediatrician’s Role in the Diagnosis and Management of Autistic Spectrum Disorder in Children (RE060018). Pediatrics, 107, 1221-1226.

www.aap.org/policy/re060018.html

• BACB (2005). Behavior Analyst Task List, Third Edition. Tallahassee, FL:BACB. 

www.bacb.com

• Cooper, J., Heron, W. & Heward, W. (2007). Applied Behavior Analysis (2nd ed.). NJ: Prentice-Hall.

• Deutsche Gesellschaft für Verhaltensanalyse: www.dgva.org

• Eldevik, S., Hastings, R.P., Hughes, J. C., Jahr, E., Eikeseth, S., Cross, S. (2009). Meta-Analysis of Early intensive Behavioral Intervention for Children With Autism. Journal of Clinical Child and Adolescent Psychology, 38 (3), 439-450.

• Green, G., Brennan, L. C., & Fein, D. (2002). Intensive behavioural treatment for a toddler at high risk for autism. Behavior Modification, 26, 69–102. 

• Leaf, R.; McEachin, J.; and Taubman, M. (2008).  Sense and Nonsense in the Behavioral Treatment of Autism:  It Has To Be Said, New York, DRL Books, Inc.

• Lovaas, O. I. (1987). Behavioral treatment and normal educational and intellectual functioning in young autistic children. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 55(1), 3-9.

• National Research Council (2001). Educating Children with Autism, Committee on Educational Interventions for Children with Autism, Division of Behavioral and Social Sciences and Education, Washington, D.C.: National Academy Press.

books.nap.edu/books/0309072697/html/index.html

• New York State Department of Health Early Intervention Program (1999). Clinical Practice Guideline: Report of the Recommendations, Autism/Pervasive Developmental Disorders, Assessment and Intervention for Young Children. Publication #4217. Health Education Services, P.O. Box 77126, Albany, NY 12224.

 

 

(c) Gaby Früh u. Erika Glaus, BCBA, KJPD ZH  (vielen Dank!)